Bier als Zeichen der Selbstbestimmung
Kanada hat ein kompliziertes Verhältnis zu indigenen Gemeinschaften. Jahrzehntelang wurde Alkohol als politisches Instrument gegen First Nations eingesetzt: Verbote, Kontrollgesetze, Reservatspolitik. Der Besitz einer eigenen Lizenz war für viele Gemeinschaften rechtlich kaum möglich, geschweige denn das Betreiben einer Brauerei. Das hat sich geändert. Fünf Brauereien zeigen, was seither entstanden ist.
Erstes Bier auf First-Nations-Territorium
Die Kahnawake Brewing südlich von Montréal gilt als erste indigene Brauerei Kanadas auf First-Nations-Gebiet. Kahnawake ist ein Mohawk-Territorium im Süden Québecs, direkt an der Stadtgrenze zu Montréal. Die Brauerei stellt die Mohawk-Kultur ins Zentrum ihrer Arbeit. Biernamen, Etiketten, Veranstaltungen: alles mit Bezug zur Gemeinschaft, die dieses Territorium seit Jahrhunderten bewohnt.
Geschichte in Flaschen
Auf Manitoulin Island in Ontario, der größten Binnenseeinsel der Welt, braut Manitoulin Brewing seit 2015. Die Biernamen verweisen auf lokale Wahrzeichen und die Geschichte der Insel. Manitoulin Island ist seit Jahrhunderten Siedlungsgebiet der Anishinaabe-Völker.
Lager, Ale und Bannock
In Saskatoon eröffnete Minihkwe Brewery als erste indigene Brauerei Saskatchewans. Gebraut werden Lagerbiere und Ales. Und es werden kulturelle Events veranstaltet; zum Beispiel Bannock-Events, benannt nach dem Fladenbrot, das in vielen indigenen Kulturen Nordamerikas zum Alltag gehört.
Gose aus British Columbia
Ravens Brewing in Abbotsford braut gerne Gose, jenen Bierstil, der im deutschen Goslar entstanden ist. Die Zutaten für die preisgekrönten Sauerbiere kommen aus der Region. Paul und Jocelyn Sweeting (siehe Foto), beide mit indigenen Wurzeln, haben die Braustätte gegründet.
Vom eigenen Land
Locality Brewing in Langley, British Columbia, ist eine “Farmhouse-Brewery” in Métis-Besitz. Die Métis sind eine der drei offiziell anerkannten indigenen Gruppen Kanadas; ihre Wurzeln liegen in der Verbindung von First Nations mit europäischen, vorwiegend französischstämmigen Einwanderern. Getreide und Hopfen werden auf der eigenen Farm angebaut. Was in die Flasche kommt, wächst ein paar Meter entfernt - auch die Früchte und Nüsse, die ab und an verwendet werden. Und den Honig für’s Honigbier produzieren die eigenen Bienen.
Foto: Ravens Brewing @ Instagram - Screenshot vom 27.05.2025:
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