Drei auf einen Streich

Die vergangene Woche keine gute für das deutsche Bier. Gleich drei Brauereien haben Insolvenz angemeldet: Wolters in Braunschweig, die Aktienbrauerei Kaufbeuren, die Schussenrieder Brauerei Ott. Die Zahlen dahinter überraschen niemanden mehr. Der Bierabsatz fiel 2025 um sechs Prozent; erstmals seit 1993 unter 80 Millionen Hektoliter. In fünf Jahren sind 93 Brauereien verschwunden. Die Ursachen sind bekannt und müssen hier nicht noch einmal aufgezählt werden. Das Tragische daran ist, dass Braustätten ins Wanken geraten, die fest in ihrer Region verankert sind und seit Generationen für die Menschen dort brauen.

Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig

Gegründet 1627, eine der ältesten Braustätten Niedersachsens. Jetzt Insolvenz in Eigenverwaltung am Amtsgericht Braunschweig. Der Grund klingt vertraut: schwacher Absatz, gestiegene Kosten. Das Haus will sich neu aufstellen, stärker auf die Region setzen und alkoholfreie Getränke ins Sortiment nehmen. Die Löhne sind gesichert, der Betrieb läuft weiter. Ob das reicht, entscheidet nicht die Verwaltung, das entscheiden auch die Verbraucher.

Aktienbrauerei Kaufbeuren

Über 700 Jahre Brautradition, jetzt ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, bestätigt vom Amtsgericht Aalen. An die Spitze kam Volker P. Zimmerer, ein Sanierungsprofi aus Ellwangen; dorthin wandert auch die Verwaltung, gebraut wird weiter in Kaufbeuren. 84 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, ein Investor wird gesucht. In einem Brief an die Kunden bittet die Brauerei um das Naheliegendste: dass man ihr Bier kauft. Jeder Schluck hilft, schreibt sie und meint es ernst.

Brauerei Ott in Bad Schussenried

Die Brautradition reicht zurück bis ins Klosterbräuhaus von 1183, seit 1906 führt die Familie Ott das Haus. Rund 40 Beschäftigte, etwa 8,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Zur Brauerei gehört auch Deutschlands erstes Bierkrugmuseum mit 1200 Krügen aus fünf Jahrhunderten. Am 12. Juni ordnete das Amtsgericht Ravensburg vorläufige Sicherungsmaßnahmen an, vorläufiger Verwalter ist Matthäus Rösch. Der Betrieb läuft ohne Einschränkung weiter. Ziel ist es, die Braustätte zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern.

 

Visual: wegro communications

Kommentare

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Jørg • 2 wochen vor
Von der Wolters-Insolvenz ist auch die Colbitzer Heidebrauerei nördlich von Magdeburg betroffen.
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hopfenheld68 • 2 wochen vor
Aber dann Anheuser Busch bei Wacken und beim VFL Wolfsburg unter Vertrag nehmen. Oder, habe erfahren dass auf dem diesjährigen Hessentag in Fulda bei einer Gastronomie Erdinger ausgeschenkt werden muss. Der Getränkegrosshandel hat es vorgeschrieben. Obwohl es in Fulda die Hochstift Brauerei gibt. Da stinkt doch was bis zum Himmel! Aber es getraut sich ja keiner auf die Barrikaden zu gehen.🤷
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cervesiars • 2 wochen vor
Dann frag mal die Veranstalter des Hessentags warum sie einen Vertrag mit Erdinger (oder dem Getränkegrosshändler, der Erdinger vertickt) gemacht haben und nicht mit dem ortsansässigen Brauhaus.
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Jørg • 2 wochen vor
Vielleicht kann ja mal eine Abokiste der 3 Braustätten über diese App vertrieben werden.
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beerguard • 2 wochen vor
Da unsere Herren und Damen Politiker wohl eher Wein trinken auf ihren Lobby- und Selbstbeweihräucherungspartys - stehen andere nicht systemrelevante Branchen eben nicht im Fokus. Es ist nur noch traurig was hier passiert. 😩
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Dr. Tosh • 2 wochen vor
Schussenrieder wird es schaffen... Diese Biere sind absolut exzellent und zu Unrecht völlig übersehen. Ich kann euch allen nur empfehlen sie schleunigst zu probieren und die Brauerei vollumfänglich zu unterstützen!!!
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Dolll • 2 wochen vor
.....und weiter geht's, irgendwann trinken wir alle nur noch mit KI generiertes Bier von einer Weltbrauerei. Ich hoffe ich bin dann schon tot.
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