1. Report der Independent Brewers of Europe
Europas unabhängige Brauereien sind eine Kraft. Einzeln. Und erst recht gemeinsam. Seit Januar 2024 tun sie das unter dem Namen Independent Brewers of Europe (IBE) – einem Zusammenschluss nationaler Brauereiverbände, der sich gegen die zunehmende Marktmacht der globalen Bierkonzerne stemmt.
Was die Allianz antreibt, ist klar: In vielen europäischen Ländern kontrollieren ein oder zwei internationale Konzerne den Löwenanteil des Marktes. In Österreich etwa hält eine einzige Braugruppe rund zwei Drittel.
Die IBE-Mitglieder verstehen ihr Engagement nicht als Kampf gegen Konzerne. Sie setzen sich vielmehr für faire Marktbedingungen, Transparenz sowie die langfristige Zukunftsfähigkeit kleiner und mittelständischer unabhängiger Brauereien ein. Und sie wollen, dass Biertrinkerinnen und Biertrinker wissen, wer hinter ihrem Bier steht.
Aktuell gehören der IBE dreizehn nationale Verbände an, die gemeinsam über 3.000 unabhängige Brauereien vertreten. Dazu gehören u.a. die Privatbrauereien Österreichs,
die Privaten Brauereien Deutschlands und die Freien Schweizer Brauereien.
Nun hat die IBE erstmals einen offiziellen Report veröffentlicht – präsentiert am 18. März 2026 auf der BeerX in Liverpool. Eine Bestandsaufnahme, die den Ernst der Lage nicht beschönigt – und trotzdem zeigt, dass diese Branche nicht auf Rettung wartet, sondern handelt.
Die 10 wichtigsten Erkenntnisse
1. Überleben hat Priorität
Vier von zehn unabhängigen Brauereien in Europa nennen die Existenzsicherung als ihre wichtigste Aufgabe im Jahr 2026.
2. Energie treibt die Kosten
Brauen ist ein energieintensiver Prozess – Maischen, Kochen, Kühlen, Reinigen. Wer groß ist, kann Energiepreise langfristig fix vereinbaren und sich gegen Schwankungen absichern. Kleine Betriebe können das meist nicht. Sie zahlen, was der Markt gerade verlangt. Genau deshalb treffen volatile Energiemärkte unabhängige Brauereien besonders hart – und genau deshalb sieht die IBE hier dringenden politischen Handlungsbedarf.
3. Wachstum? Für viele kein Thema
Rund die Hälfte der befragten Brauereien erwartet für 2026 entweder stagnierende Umsätze oder sogar Rückgänge. Inflation, geringerer Konsum, steigender Wettbewerbsdruck – die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen Planungssicherheit schwierig – in allen europäischen Ländern gleichermaßen.
4. Investieren trotz Krise
Mitten in einer Phase, in der es für viele ums Überleben geht, wird trotzdem in die Zukunft investiert. Mehr als ein Drittel der Brauereien (37 Prozent) plant, 2026 die Verbesserung der Bierqualität als Priorität zu setzen. 35 Prozent wollen in neue Brauanlagen investieren.
5. Klein, aber prägend
Acht von zehn unabhängigen Brauereien in Europa produzieren weniger als 4.500 Hektoliter Bier pro Jahr. Zum Vergleich: Eine mittelgroße Braustätte erreicht das in wenigen Tagen. Und trotzdem – oder gerade deshalb – prägen diese kleinen Betriebe ihre Regionen, ihre Städte, ihre Viertel. Größe ist kein Maßstab für gesellschaftliche Relevanz.
6. Der kurze Weg zum Gast
Mehr als ein Viertel der produzierten Biermenge (28 Prozent) wird direkt an Konsumentinnen und Konsumenten verkauft: über Taprooms, Werksverkäufe, eigene Bars oder Pubs. Der direkte Kontakt zwischen Brauer:in und Biertrinker:innen das Gespräch, die Empfehlung, die Geschichte hinter dem Bier – all das gehört dazu. Privat geführte Brauereien haben Gesichter. Man kennt die Menschen, die an den Sudkesseln stehen.
7. Teil der Gemeinschaft
Drei Viertel der Privatbrauereien unterstützen aktiv lokale Initiativen und Projekte – Sportvereine, Feste, soziale Einrichtungen. Wer in einer Region verwurzelt ist, gibt auch zurück. Das unterscheidet die kleinen und mittelständischen Brauereien vom Konzern.
8. Hyperlokal und stolz drauf
Gerade einmal 1 Prozent des Bieres, das unabhängige europäische Brauereien produzieren, wird exportiert. Der Rest bleibt, wo er gebraut wurde – in der Region, in der Stadt, im Gastgarten ums Eck. Das ist genau das, was unabhängiges Brauen von globalem Massenbrauen unterscheidet.
9. Jüngere trinken weniger – und bewusster
Der Report bestätigt einen Trend, den viele in der Branche schon spüren: Jüngere Erwachsene greifen seltener zum Bier als frühere Generationen, und ein wachsender Anteil verzichtet ganz auf Alkohol. Aber – und das ist die entscheidende Wendung – wenn sie Bier wählen, dann mit Bedacht. Qualität, Authentizität und regionale Herkunft sind für diese Gruppe echte Kaufentscheidungskriterien.
10. Bier ist Kultur – und das verdient Schutz
Bier ist nicht einfach ein Lifestyle-Produkt. Es ist tief im kulturellen Erbe Europas verwurzelt – geprägt durch Jahrhunderte handwerklichen Könnens, verbunden mit regionaler Identität, getragen von jeder neuen Generation, die es weiterentwickelt. Die IBE versteht sich als Stimme derer, die dieses Erbe lebendig halten. Aus Überzeugung, nicht aus Nostalgie.
Den vollständigen Report gibt es zum Download auf der Website der Independent Brewers of Europe: independent-brewers.com
Foto: Independence Brewers of Europe
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