Britische Pubs sind „not amused"

Es gibt Ratschläge, die gut gemeint sind. Und dann gibt es Ratschläge aus Whitehall.

Ed Miliband, Großbritanniens Energieminister, hat ein staatlich gefördertes Online-Tool für die Gastronomie vorgestellt. Die Kernbotschaft: Pubs sollen Bier wärmer ausschenken, Flaschenkühlschränke über Nacht abschalten, Abzugsanlagen und Beleuchtung im Blick behalten. 

Pub-Betreiber Andy Lennox brachte die Stimmung auf den Punkt: Jahrzehntelange Praxiserfahrung in der gesamten britischen Gastro, und die Lösung war die ganze Zeit die über Nacht abgeschaltete Lampe. Grandios.

Warm ist relativ

Fairerweise sei erwähnt: „Warmes Bier" ist in Großbritannien traditionell kein Schimpfwort. Real Ales und Cask-Biere werden seit jeher bei Kellertemperatur ausgeschenkt – rund 11 bis 13 Grad – und das hat seinen Grund. Wer schon einmal ein ordentlich gezapftes Bitter in einem guten englischen Pub getrunken hat, weiß: Das ist keine Sparmaßnahme, das ist Kultur.

Was Miliband meint, sind allerdings die Kühlschränke für Flaschen und Dosen – also jenes Segment, das in britischen Pubs verstärkt Einzug gehalten hat. Und da trifft der Ratschlag auf eine Branche, die sich seit Jahren in einem strukturellen Überlebenskampf befindet: steigende Pachten, explodierende Energiekosten, rückläufiger Bierkonsum – und nun noch ein Online-Tool aus Whitehall.

Die Zahlen dahinter

Der Hintergrund ist ernst: Der Nahostkonflikt treibt die Energiepreise, die Mehrbelastung für britische Pubs wird auf 169 Millionen Pfund pro Jahr geschätzt. Das Tool – entwickelt von Carbon Zero Services, finanziert mit 350.000 Pfund Steuergeld – soll gegensteuern. In einem Pilotprojekt mit 90 Betrieben wurden immerhin knapp 2.500 Pfund Einsparungen pro Betrieb erzielt.

Die Branche bleibt dennoch skeptisch. Steve Alton vom British Institute of Innkeeping bringt es auf den Punkt: Energiekosten seien heute zwei- bis dreimal so hoch wie 2021, alles Mögliche bereits eingespart. Was fehlt, sind keine App-Tipps – sondern echte Entlastung bei Steuern und Abgaben.

Dass warmes Bier in Großbritannien eine politische Dimension hat, ist keine Neuigkeit. John Major beschwor es 1993 als nationales Kulturgut. Miliband dürfte das anders gemeint haben.

Cheers – aber bitte kalt.

 

Quelle: The Telegraph, Morning Advertiser - 17. März 2026 – 
Foto: AdobeStock - TenWit

Kommentare

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muschke2001 • 3 std. vor
Der will nur sein Standard -Ale von früher wieder trinken 😉 da wird er wohl aber einer der wenigen sein...
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BassMoBill • 7 std. vor
Ich will hier ja nicht unnötig sticheln, aber wenn die Problematik durch einfaches abschalten und anderst temperiert gelöst werden würde, dann hätten sicherlich die Pub Besitzer das bereits längst umgesetzt. Faule Ratschläge von unwissenden Politikern sind in solchen Diskussionen sicherlich völlig fehl am Platz. Operative Steuersenkungen oder Entlastungen im steuerlichen Segment sind hier eher zielführend als wirklich nur gut gemeinte Ratschläge.
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