Flavoured Beer. Ein Kommentar

Heineken hat für den kommenden September zwei alkoholfreie Produkte angekündigt, vorerst nur in Deutschland: 0.0 Lime Lemongrass und 0.0 Nectarine Juniper. Der Hersteller spricht vom Wunsch nach »echter Vielfalt« und kreiert kurzerhand eine neue Kategorie im Biersegment: „Flavoured Beer“. 

„Oh!“, staunt die Bierfrau und denkt an hopfengestopfte Lagerbiere, Pale Ales, IPAs, NEIPAs. Sie hofft auf tropische Aromen aus den ätherischen Ölen moderner Hopfensorten. Doch sie wird enttäuscht, denn hinter „Flavoured Beer“ verbirgt sich alkoholfreies Lagerbier, dem natürliche Aromen zugesetzt werden. Heineken stellt sich mit den beiden neuen Produkten bewusst in Abgrenzung zu Biermischgetränk und Radler. 

Die Bierfrau kommentiert.

Lifestyle

Man nehme den Lifestyle-Trend zum kalorienarmen Getränk, verrühre ihn mit jenem zum alkoholfreien, gebe ein paar Aromen dazu. Fertig ist das „einzigartige“ Geschmacksprofil. Man distanziere sich vom Biermischgetränk, vermeide Limonade oder Fruchtsaft und punkte mit 1,2 Gramm Zucker und 19 Kilokalorien (pro 100 Milliliter). Das Marketing entdeckt das Ganze als neue Kategorie und kreiert geschickt ein eigenes Segment. Man wird zum Vorreiter. Wow!

Wirtschaftlichkeit

Betrachten wir die Produkte einmal betriebswirtschaftlich. Alkoholfreies Heineken ist ohnehin da – seit 2017, heute in über 100 Ländern. Aroma hinein, abfüllen, ab in den Handel. Einfacher als ein Biermischgetränk ist das allemal. Nur nicht unbedingt billiger. Ein Radler streckt das Bier mit Limonade, und Limonade ist günstiger als Bier. Das „Flavoured Beer“ besteht dagegen quasi zu hundert Prozent aus Gebrautem, das Aroma macht nur ein paar Gramm pro Hektoliter aus. Man verkauft also mehr vom teuren Teil.

Der Vorteil liegt im Prozess. Eine Aromadosierstation hängt man an die bestehende Linie. Beim Radler ist alles komplizierter: die Anlage selbst, die Qualitätssicherung, Haltbarkeit.... Vor allem aber gewinnt Heineken beim Endverkaufspreis: 1,20 Euro für die 0,33-Liter-Dose. Das ist deutlich über jenem für ein namenloses Biermischgetränk. Vielleicht ist das der wahre Grund, warum ein aromatisiertes Bier partout kein Biermischgetränk sein soll.

Zeitgemäß

Man muss Heineken nichts unterstellen. Der Trend ist real: Fast ein Viertel der Konsument:innen trinkt bewusster, alkoholfrei ist längst keine Nische mehr. Ein aromatisiertes 0.0 kann an einem heißen Tag genau das Richtige sein.

Und das Reinheitsgebot?

Falls sich jemand fragt, ob das im Land des Reinheitsgebots überhaupt „erlaubt“ ist, dem sei gesagt: Ja, alles auf dem Boden der Legalität. Denn Heineken wird die neuen Alkoholfreien kaum in Deutschland produzieren – und einführen darf man auch Produkte, die hierzulande so nicht gebraut werden dürfen.

„Echte“ Vielfalt?

Mit Biervielfalt hat das wenig zu tun. Vielfalt lebt von unterschiedlichen Bieren – von Hefen, Malzen, Hopfen, von Braukunst. Nicht vom Aromatisieren.

Was hier als Kategorie gefeiert wird, ist ein zugegebenermaßen sehr clever vermarktetes Erfrischungsgetränk (mit Bier drin). Wer braucht’s? Die Bierfrau nicht. Sie verzichtet gerne und greift mit Freuden zum IPA. Und die gibt es auch in hervorragender alkoholfreier Qualität. 

Ein Detail noch am Rande: Heineken spricht von „natürlichen Aromen“ – nicht von Fruchtaromen. Ein feiner, aber verräterischer Unterschied. „Natürlich“ heißt hier: aus natürlichen Rohstoffen gewonnen. Nicht zwingend: aus Limette oder Nektarine. Was nach Frucht klingt, muss keine sein – es muss nur danach duften.

Cheers!


Produktdaten und Zitate: Heineken Deutschland, Juli 2026.
Text: Birgit Rieber

© HEINEKEN Deutschland
Kehrwieder - ü.NN
IPA Alkoholfrei 0,40% vol.
3,6
Gusswerk - Nicobar Alkoholfrei
IPA Alkoholfrei 0,50% vol.
3,2
Camba - Free IPA
IPA Alkoholfrei 0,50% vol.
3,7

Kommentare

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BassMoBill • 18 std. vor
Ich verstehe nicht, warum die nicht einfach besondere Kraft Editionen machen. Da wäre Braukunst und Zahl bereites Klientel vorhanden.
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bierpilz • 2 tage vor
Die sollen zuerst mal lernen richtiges Bier zu brauen.
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Kosmoko • 2 tage vor
Wenn es laut und lang genug vermarktet wird, glaubt es die Masse... Hoch lebe die Propaganda... 😵‍💫
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Sir Oliver • 3 tage vor
Hab erst gestern mein erstes Oktoberfestbier in 2026 getrunken. Ein Hoch auf die deutsche Bierkultur. Prost an alle 🍻.
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biergegennazis • 3 tage vor
Scheiß Heineken!
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ta04 • 3 tage vor
Solange es vorschriftsmäßig deklariert und abseits vom Bierregal liegt, das man es nicht ausversehen kauft, dann ist gut.
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tomstone • 3 tage vor
Zwei Sachen verblüffen mich da immer wieder: 1. ) Warum braut man erst ein Bier ( & das Mälzen nicht vergessen) um diesem nach der Vergärung (->sac. ludwigii ist wohl ein „Spezialfall“) den Alkohol zu entziehen und dann 2.) übertüncht man die von Hefe und Hopfen erzeugten wundersamen Aromen mit Fruchtsäften. Ganz schön Aufwändig für das Resultat! P.S.: Selbstverständlich wird in der Familie der Cocktails ( auch alkoholfreie, nota bene! ) alles erdenkliche mit einander gem ixt, geschüttelt und gerührt, aber in Flaschen und Dosen angefüllt findet sich kein outstanding drink, denn man besucht eine Bar und lässt sich dort überraschen… .. .
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weesels1703 • 3 tage vor
In meinen Augen überflüssig.. Zimt Pfeffer Banane Nektarinen usw. Kann man sich ja je nach Gusto nachträglich ins kühle Nass werfen . Aber mit Braukultur hat das ja wenig zu tun wenn ich da ausversehen ein Sirupfläschchen reinwerf. Also danke nein . Klassiker wie Alster / Radler mal dahingestellt. Aber sonst bitte nach 1516 ja gut und mit Hefe und Weizen... Lol
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Tonic • 4 tage vor
Leben und leben lassen! 🫶 Dennoch kommt mir diese ranzige Pisse nicht ins Haus.
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Styxx • 3 tage vor
Dir kommen die grünen Dosen aus Holland doch eh nicht ins Haus
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beerguard • 4 tage vor
So sucht sich jeder seine „Nische“, damit er trotz sinkendem Absatz nicht doch noch was findet was Geld in die Kassen spült. Wenn man schaut, was inzwischen an „Biermischgetränken“ alles im Angebot ist von verschiedensten Früchten bis hin zu Energy, da frage ich mich auch immer wieder „wer braucht das?“ und meist, wenn ich probiert habe „wem schmeckt sowas?“ Aber es scheint ja genug Geschmacksverirrte zu geben sonst wäre so manches wohl schon wieder vom Markt verschwunden. Ich ziehe pure Biere jeder Art vor. (Fruchtbiere nur aus Belgien und da auch lange nicht alle.)
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Hopf69 • 4 tage vor
Vielleicht die einzige Möglichkeit dem wässrigen und dünnen Heineken noch ein wenig Geschmack beizubringen
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heino • 5 tage vor
100% an Steuern drauf für den Zucker.
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Uri Mutz • 5 tage vor
Super Kommentar!
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hopfenheld68 • 5 tage vor
Ich brauche es definitiv nicht!
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