Bier trifft Aperitif - ein Trend?

Alkoholfreie Biere sind längst kein Nischenprodukt mehr. Sie stehen in allen Supermärkten, auf Getränkekarten und längst auch im Kühlregal der Tankstelle – und keine Brauerei, die etwas auf sich hält, kann heute noch darauf verzichten. Was aber kommt als nächstes? Ein Blick auf die jüngsten Produktlancierungen lässt eine Vermutung zu: Die Branche will das Sundowner-Geschäft nicht länger den Spirituosen überlassen. 

Die Ottakringer Brauerei in Wien hat es vor wenigen Wochen vorgemacht: Der neue „Bier Spritz“ kombiniert Ottakringer Vollbier mit Bitterorange. In der schlanken 0,33l-Dose positioniert er sich bewusst im Aperitivo-Segment. Der Name ist Programm, die Farbgebung auch – der Griff in Richtung Aperol Spritz ist unübersehbar.

Letzte Woche zog Krombacher nach – gleich mit drei Varianten: Sunny Spritz (Bitterorange), Cubeer Libre (Cola-Limette) und Fizzy Wild Berry (Beeren). Auch hier: fertig gemischt, Dose, Lifestyle. Und auch hier der explizite Verweis auf den Aperitif-Trend.

Zwei Brauereien, zwei Länder

Zweimal dasselbe Thema, im Abstand von wenigen Wochen. Ist das Zufall? Vielleicht. Bemerkenswert ist allerdings, was dabei passiert – und zwar auf mehreren Ebenen gleichzeitig. 

Auf der einen Seite hat die Branche in den letzten Jahren enorme Energie darauf verwendet, den Alkohol aus dem Bier herauszubekommen. Alkoholfrei boomt, alkoholreduziert wächst, der Trend zur Mäßigung ist real und gut dokumentiert. Auf der anderen Seite kommen jetzt Biermischgetränke mit 4 bis 5 Volumenprozent – also deutlich mehr als ein klassischer Radler, der ja ganz bewusst deutlich unter 3,5 Prozent bleibt und damit das leichtere Segment bedient. Weniger Alkohol im Bier, mehr Alkohol im Biermix. Irgendwie verdreht das Ganze – aber vielleicht hat die Logik des Marktes ihre eigenen Gesetze.

Ach ja – da war doch was.

Vor nicht allzu langer Zeit hat der Craft-Beer-Boom den deutschsprachigen Markt verändert. Pale Ales zogen ein, American IPAs, Session IPAs – Biere, die Fruchtaromen nicht aus der Limonade holten, sondern aus dem Hopfen. Tropisch, zitrusfrisch, komplex. Eine echte Erweiterung des Geschmackshorizonts, ganz ohne Zuckerzusatz.

Inzwischen sind viele dieser Stile wieder verschwunden – zu nischig, zu erklärungsbedürftig. Stattdessen kommen jetzt Bitterorange und Beere aus der Dose, mit Limonade gemischt – und damit auch mit dem Zucker, den die Limonade nun mal mitbringt. Ob das ein Fortschritt ist, darf man sich ruhig fragen.

Leichtigkeit und Dolce Vita

Ob aus alldem wirklich ein dauerhafter Trend wird, ist noch offen. Ein Trend braucht Nachmacher – und etwas Zeit. Aber die Richtung ist ablesbar: Brauereien suchen den Anschluss an Genussmomente, die bisher dem Wein oder dem Prosecco gehörten – oder dem Aperol Spritz, der nicht zuletzt deshalb die Sonnenterrassen Europas erobert hat, weil er so verdammt gut aussieht. Dieses leuchtende Orange, dieses Versprechen von Leichtigkeit und Dolce Vita – Campari, Aperol und Co. haben verstanden, dass das Auge mittrinkt. Der Bier Spritz aus Wien bedient sich dessen sichtlich. Mit Limonade. Und Zucker. Und mehr Alkohol als ein klassischer Radler.

Ich bin gespannt, wer als nächstes mitmacht.

 

Text: Birgit Rieber
Fotocollage aus Produktfotos der Brauereien Krombacher und Ottakringer. 

Ottakringer - Bier Spritz
Radler 4,00% vol.
3,4
Krombacher - Fizzy Wild Berry
Radler 5,00% vol.
2,9
Krombacher - Cubeer Libre
Fruchtcider 4,00% vol.
3,2
Krombacher - Sunny Spritz
Radler 5,00% vol.
2,4

Kommentare

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harry_o • 1 woche vor
Hab in Bozen das erste Mal ein Bier Spritz getrunken. Absolut lecker. Man sollte offen für neues bleiben. Bin bald 60 und es gibt nix schöneres als neues zu probieren. 👍😎
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timboli22 • 2 wochen vor
Hat leider mit Biertrinken nichts zu tun, aber kein Wunder, wenn sich zum Beispiel so eine Brauerei retten möchte. Für die "Normalbier Trinker" werden damit die Weichen anderes gestellt.
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🍻Bierakulix • 2 wochen vor
Interessant wäre es eher (aus meiner Sicht), lokale Bars zu finden - nicht die Kneipe von nebenan, sondern richtige Bars mit Stil um mit denen einen Cocktail zu kreieren, der dein/ ein Bier gut einbinden kann. Dann würde zum einen das Rohprodukt Bier wieder mehr in den Vordergrund rücken, und es könnte zudem auch neue/ andere Stile hervorbringen, die man pur evtl nicht unbedingt im Maaß trinken muss. Aber so abgepackt… da schmecken schon die tatsächlichen Cocktails scheiße… ^^
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Dolll • 2 wochen vor
Ich glaube ich werde die Mischungen nicht probieren. Ich bin nicht der hippe mid30er der zum Sonnenuntergang auf einer Hochhausdachterrasse dauergrinsend mit 27 Freunden den Fizzy Wild Berry runterkippt. Wird aber sicherlich sein Publikum finden.
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sebastian_skoda • 2 wochen vor
Den wertlosen Kommentar der gewisse Zielgruppen wieder nur durch den Dreck ziehen soll weil du deine eigene Unzufriedenheit im Leben nicht anders zu kompensieren weisst, den musstest du hier aber unbedingt noch zum Besten geben.
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BassMoBill • 2 wochen vor
Besondere Aromen lassen sich auch durch klassisches Bier Braun erreichen. Muss nur mal an den Chiemsee zu Camba gehen. Daher verstehe ich solche Mixgetränke überhaupt nicht. Braumeister bleibt bei dem, was du gelernt hast.
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Gersten_Gideon • 2 wochen vor
Der Ottakringer Spritz ist eine super Möglickeit mich an Aperol zu gewöhnen haha
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hauckke • 2 wochen vor
Den Markt und die Klientel wird es sicher geben, wie gross der/die ist, das wird sich zeigen. Ob hier in der Community zu finden, das mag ich bezweifeln. Ich bin und bleibe primär ein Hop-Head und bin aber auch keinem anderen richtigen Bierstil abgeneigt, vor allem auch nicht einem Rauchbier, das den Abguss sicher nie sieht 😉
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Finn Bier • 2 wochen vor
Ich habe vor ein paar Jahren mal eine Dose von V+ Spritz gehabt. Pur fast untrinkbar, aber im glas mit Eiswürfeln war’s eine nette Erfrischung im Sommer. Grundsätzlich eine nette Idee und Ergänzung im Bier Sortiment (auch wenn ich’s nicht unbedingt bräuchte)
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hopfenheld68 • 2 wochen vor
Braucht kein Mensch! 👎
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MFK Brew Maddin • 3 wochen vor
Wozu Bier mischen? Was genau willst du an Bier noch besser machen? Bier mischt man nur, wenn man es sonst nicht runter kriegt. Wie Wein. Mischt man auch nur den Schrott. Außer Rauchbier. Das mischt man nur mit dem Abguss 🤣
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joerg1974 • 3 wochen vor
Auch von 5.0 gibt es das Sprizz. Zum probieren okay, aber...
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Stemorges • 3 wochen vor
Das Kanne ich sogar. Kann man mal trinken.
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Stemorges • 3 wochen vor
Der Markt wird zeigen ob es eine gute Idee ist. Ich werde sie probieren wenn ich sie im LEH finde.
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