BrewDog Deutschland: Insolvenz.

BrewDog, der schottische Bierkonzern, zieht sich aus Deutschland zurück. In einem internen E-Mail informierte laut CHIP.de Mitgründer James Watt die Belegschaft über eine bevorstehende Insolvenzanmeldung der deutschen Tochtergesellschaft. Watt, der im Mai 2024 nach 17 Jahren als CEO zurückgetreten ist und seither eine nicht-exekutive Rolle als Captain and Co-Founder bekleidet, wandte sich offenbar in dieser Funktion an die Beschäftigten. Operativer CEO ist seit seinem Abgang James Arrow.

Gleich mehrere Standorte wurden sofort geschlossen, darunter die Bar in der Berliner Ackerstraße in Mitte sowie der beliebte Biergarten mit Brauerei im Marienpark. Auch der verbliebene Standort in Hamburg soll in Kürze folgen; die Filialen in Wiesbaden und Friedrichshain hatten bereits dichtgemacht. Laut Watt sei die Insolvenz ein notwendiger Schritt, um die Marke strategisch neu aufzustellen. Ein in solchen Fällen beliebter Euphemismus.

Mitarbeiter*innen erhalten Februar-Gehalt nur über Insolvenzgeld

Für die Beschäftigten hat die Entwicklung finanzielle Konsequenzen. Die Gehälter für Februar werden nicht regulär ausgezahlt, die Angestellten sollen Insolvenzgeld über die Bundesagentur für Arbeit beantragen. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter begleitet das Verfahren. Konkrete Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage nennt BrewDog bislang nicht.

»Craftbier«: Schwieriger Markt in Deutschland

Der Rückzug überrascht Insider kaum. Der Begriff »Craftbier« hat im deutschsprachigen Raum nie eine allgemein anerkannte Definition erfahren, von quantitativer Abgrenzung zum Rest der Bierwelt ganz zu schweigen. Obendrein haben profunde Branchenkenner*innen erkannt, dass Bierstile abseits des Mainstreams (bestehend aus hellen Vollbieren und regional starken Stilfamilien, wie Alt, Kölsch oder Weißbier), in Deutschland nie einen ausreichend großen Marktanteil erreicht haben. Ein wenige Jahre andauernder Boom – der in Deutschland etwa in der zweiten Hälfte der Nullerjahre begann und schon vor der Coronakrise seinen Höhepunkt erreicht hat – ist längst zu Ende. Der auch in Deutschland rückläufige Biermarkt und jüngere Trends zu Alkoholfreien Bieren oder schwach gehopftem »Hellen« tragen das ihre zur schwierigen Situation von internationalen Unternehmen wie BrewDog bei.

Zweifelhafte Praktiken

BrewDog wurde 2007 als Craftbier-Marke gegründet und eroberte mittels pointierten Bieren, etwa dem kräftig gehopften »Punk-IPA«, rasch Marktanteile. 2021 wurden bereits mehr als 60 BrewDog Bars im Vereinigten Königreich betrieben. Ein Gutteil des Wachstums wurde mit Hilfe des Beteiligungsmodells »Equity for Punks« finanziert. Neben Standorten in den USA sind solche in Florenz, Helsinki, SaoPaolo und Barcelona bekannt.

Auch das Marketing war nicht zimperlich. So wurden in teilweise verstörenden BrewDog Werbe-Videos Flaschen konkurrierender Marken mit Golfschlägern traktiert; Tierschützer*innen waren mäßig erfreut über die Abfüllung des Ultra-Stark-Bieres „End Of History“ (55 % Vol) in Hermelinen und Grauhörnchen – die wenigstens ausgestopft waren. Greenwashing-Vorwürfe, die Aberkennung des Zeichens „Benefit Corporation“ und ein offener Brief, den – laut wikipedia-Eintrag – mehr als 300 ehemalige Mitarbeiter*innen 2021 veröffentlicht hatten, sowie bedenkliche Ergebnisse von BBC-Recherchen aus 2022 hatten weiter am Image des international agierenden Bierkonzerns gekratzt.

BrewDog in Deutschland

In Deutschland eröffnete BrewDog 2016 eine Bierbar in Berlin, 2019 eine in Hamburg. Ebenfalls anno 19 übernahm der aus Schottland stammende internationale Bier-Riese BrewDog den kurz davor von StoneBrewing begründeten Standort Marienpark inklusive Brauerei auf dem Gelände eines ehemaligen Gaswerks. Greg Koch (StoneBrewing Mitbegründer) hatte offenbar den besseren Riecher.

 

Redaktionelle Anmerkung: Mehrere Medienberichte zur BrewDog-Insolvenz bezeichnen James Watt fälschlicherweise als amtierenden CEO. Watt trat im Mai 2024 nach 17 Jahren an der Unternehmensspitze zurück; sein Nachfolger als operativer Chief Executive ist seither James Arrow. Watt hält weiterhin Unternehmensanteile und agiert in einer nicht-exekutiven Funktion als Captain and Co-Founder". Die Kommunikation mit der Belegschaft erfolgte offenbar in dieser Eigenschaft – nicht als Geschäftsführer. Diese Redaktion hat den betreffenden Absatz am 04.03.2026 entsprechend korrigiert.

 

Bild: Standort Berlin Marienpark - © BrewDog

 

Kommentare

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muschke2001 • 2 wochen vor
Jetzt hat es auch die Hamburger Brauerei Landgang erwischt...
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sebastian_skoda • 2 wochen vor
Zum K0tzen was aus BrewDog geworden ist. Die haben so sympathisch begonnen, und dann kam der Punkt wo sie den Hals nicht mehr voll bekommen haben. An finanzieller Schieflage per se liegt's weniger, eher an maßloser Überschätzung und Größenwahn. Hätte man alles in kleinerem, überschaubaren Rahmen behalten wär es nie so weit gekommen. Stattdessen hat man weltweit Standorte geöffnet, Geld zum Fenster raus geworfen, und das fällt jetzt alles auf sie zurück. Schade. Verkauft an einen US Konzern, hat mit Schottland ja nicht mehr viel zu tun. Wieder eine Marke mehr die im Sumpf eines Großkonzerns versinkt und die man meiden sollte.
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BassMoBill • 2 wochen vor
Sehr schade, die konnten echt gute Biere machen.
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hopfenheld68 • 2 wochen vor
Ich finde den Abschnitt über den deutschen Biermarkt sehr aufschlussreich. Ist schon krass wie die Masse den Markt in der Hand hat! Aber das war noch nie anders. Deswegen wird das auch nichts mit kreativen Ideen. Ein Hoch auf die deutsche Bierkultur! 😉
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DiKli911 • 2 wochen vor
Das ist ein Verlust, mit Blick auf Biervielfalt, Braukunst, Experimentierfreude, Location, Arbeitsplätze, ... , sehr sehr schade.
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superwin • 2 wochen vor
Man kann den Geschmack nicht mit der Brechstange ändern, so etwas braucht Zeit. Wer hat die noch?
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StefanIdstein • 2 wochen vor
Von dieser Brauerei habe ich bisher die meisten Biere verkostet
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th_e_sa • 2 wochen vor
Für die Beschäftigen, die nun arbeitslos werden, ist es natürlich eine schlimme Situation. Viel trauriger finde ich allerdings, wenn alteingesessene deutsche Traditionsbrauereien aufgeben müssen.
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Hobbybiertaster • 2 wochen vor
Sehr schade 😢
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