Ist Gold gleich Gold?

Vorweg: Es würde uns sehr freuen, wenn auch zu diesem Thema eine intensive Diskussion mit vielen klugen Einlassungen entbrennt. Etwa so wie unlängst, als wir das Gespräch mit einem Gedanken zu kybernetischen Exoparasiten und dem Craft-Bier-Boom angestoßen haben. Auf gute Gespräche und exzellente Wettbewerbe!

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Olympische Prämierung oder inflationäre Preisvergabe?

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Bierwettbewerben. Siegerbiere werden meist mit Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet. Aber ist Gold gleich viel wert wie Gold? Eigentlich müsste ein Gold-Award, errungen bei einer Competition, die je Kategorie nur einmal Bronze, Gold und Silber vergibt, viel mehr wert sein als eine Trophäe, gewonnen bei einem Bewerb, bei dem jedes einigermaßen fehlerfreie Bier mit Gold ausgezeichnet wird. Wenn eine Mehrzahl der eingereichten Biere prämiert wird und nicht nur die jeweilige Spitze, schmälert das doch den Wert der Auszeichnung. Oder? Andererseits gehören auch viel Glück und die Tagesverfassung der JurorInnen dazu, um in einer knappen Entscheidung Platz eins zu erreichen oder vielleicht nur die ungeliebte »Blecherne«, den 4. Platz.

Modalitäten und Bierpflege

Auch die Modalitäten der Einreichung bzw. Bier-Besorgung können unterschiedlich ausfallen. Viele VeranstalterIinnen vertrauen den Einsendenden; wohl hauptsächlich aus pekuniären und logistischen Gründen. Das kann eventuell das Ergebnis verzerren und sogar dem Betrug ein Türchen öffnen. Weiß ein Veranstalter zu hundert Prozent, dass eine eingereichte Flasche genau jenes Bier enthält, das auf dem Etikett angepriesen wird? Gut, gehen wir davon aus, dass die Bierleute alle hochanständig sind. Persönlich vorbeigebrachte braufrische Ware könnte aber doch einen Tacken besser munden als jene Flaschen, die im Handel erhältlich sind.

Gute JurorInnen sind gefragt

Auch die Qualität der Juroren und Jurorinnen ist nicht in jedem Wettbewerb gleich. Hinzu kommt, dass rhetorisch starke, durchsetzungskräftige Judges, insbesondere wenn sie lange Erfahrung haben oder gar als »Gurus« gelten, an einem Verkostungstisch ihre favorisierten Bierproben leichter durchbringen als stille PhilosophInnen. Jedenfalls ist es gut, dass in den meisten relevanten Competitions gruppenweise verkostet wird. Solistische Verkostungen sind viel zu fehleranfällig.

Für das Marketing ist Gold... Goldes Wert

Den MarketerInnen ist das egal. Erringt ein Bier irgendwo Edelmetall, wird das sofort aufs Plakat und in die »sozialen« Medien gebracht. Hinzu kommt, dass manche Wettbewerbe am Trittbrett anderer mitfahren. So gibt es zum Beispiel zusätzlich zum wohl größten Bewerb, dem World Beer Cup, noch die World Beer Awards und die World Beer Championship und die World Beer Challenge, ein Wettbewerb in Portugal. KonsumentInnen haben meist keine Ahnung, welcher Bewerb wie wichtig ist und wie (streng) gehandhabt, etabliert, geführt er wird.

Nützliche Kriterien

Die EBCU (European Beer Consumers' Union) hat Kriterien festgelegt, die für die Bewertung einer Bewertung nützlich sein können. Wird blind verkostet? Wie sind die Kategorien zugeschnitten? Werden pro Kategorie höchstens drei Plätze vergeben oder gibt es je Kategorie Edelmetall in großer Zahl? Ist die Jury wirklich unabhängig? Gibt es vielleicht gar neben Gold, Silber und Bronze noch weitere »Farben«, wie etwa »Großes Gold« oder »Platin«, mit deren Hilfe die Silber-GewinnerInnen vergoldet werden? 

Verwirrende Vielfalt

Neben den beiden renommierten Weltmeisterschaften »World Beer Cup« und dem »European Beer Star« haben sich einige weitere internationale und regionale Wettbewerbe durchgesetzt. Auch hier bietet die EBCU, die von ihr auditierte Wettbewerbe formell unterstützt, Orientierungshilfe. Sie listet zurzeit vierzehn solcher Challenges. Es könnten aber auch noch mehr werden, denn »es steht jedem Veranstalter von Bierwettbewerben offen, sich an EBCU zu wenden und den Nachweis zu erbringen, dass er die oben genannten Kriterien einhält, und um ein Audit zu bitten, um von EBCU anerkannt zu werden«.

Staatsmeisterschaften und regionale Bewerbe

Die aktuelle EBCU-Liste enthält neben den beiden internationalen Wettbewerben vor allem solche mit regionalem Schwerpunkt beziehungsweise als »Staatsmeisterschaften« organisiert sind. Nämlich jene aus Österreich (Austrian Beer Challenge), Finnland (Suomen Paras Olut), Tschechien (Golden Bohemia) sowie die Dutch Beer Challenge (Niederlande), Birra dell’Anno (Italien), den Swiss Beer Award, Kraft Roku (Polen) und 2026 neu: die Greek Beer Awards.

Weiters gibt es die Champion Beer of Britain und den Scottish Beer Award, die U.S. Open Beer Championship und zahlreiche weitere Wettbewerbe in den USA, die teilweise auch andere Getränke, etwa Cider, bewerten, wie im Falle des von der North American Brewers Association (NABA) organisierten International Beer and Cider Awards. Zu einigen lokalen Wettbewerben dürfen nur Biere aus einer bestimmten Region eingereicht werden, wie etwa die Beer Alps Competition in Tirol.

Und noch mehr...

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Bewerbe, wie zum Beispiel die DLG-Prüfung (Gold für alle »fehlerfreien« Biere) und die Frankfurt International Beer Trophy; »Meininger’s International Craft Beer Award« spukt noch auf einigen Websites, obwohl es diesen Wettbewerb schon längere Zeit nicht mehr gibt. 

Unsere Antipoden...

...veranstalten die Australian International Beer Awards, die New Zealand Beer Awards und die ebenfalls neuseeländischen New World Beer & Cider Awards. In Afrika sind der African Beer Cup und die South African National Beer Trophy von Bedeutung. Wichtig sind ebenfalls der Japan International Beer Cup, die China Craft Beer Competition und der Korea International Beer Award (KIBA).

Lateinamerika

In Südamerika finden wir eine weitere Reihe von Bierwettbewerben. Es gibt sie in Brasilien, Mexico, Argentinien, Peru und Chile. Wir zählen sie nicht einzeln auf, erwähnen nur Concurso Brasileiro de Cervejas in Blumenau in Brasilien, stellvertretend für alle anderen. 

Längst nicht vollständig

Diese Aufzählung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Und sollten uns, trotz aufwändiger Recherche Fehler unterlaufen sein, bitten wir um Vergebung und – vor allem: um Korrektur.

 

Text: Sepp Wejwar
Visual: wegro communications

Kommentare

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beerguard • 7 std. vor
Ich persönlich finde die Wettbewerbe bzw. Auszeichnungen als „Wegweiser“ für den Konsumenten grundsätzlich sehr gut. (Ausgenommen die vom DLG, die finde ich ziemlich sinnfrei, wenn ich schaue wo die überall drauf ist.) Ob man nun mehrere Medaillen des selben Metalls für mehrere „Gewinner“ benötigt, mag durchaus wenig Nutzen haben. Natürlich kann man auch Hinterfragen ob so viele Wettbewerbe notwendig sind. Allerdings finde ich nationale Wettbewerbe durchaus sinnvoll. Jede Auszeichnung ist letztlich aber immer nur eine Momentaufnahme, da alle Judges sicherlich geübt und toll ausgebildet sind aber eben auch einer Tagesform unterliegen und ggf. das gleiche Bier an einem anderen Tac eine andere Entscheidung herbeiführen kann. Nicht grundlegend, da die Ergebnisse ja aus der Menge der Teilnehmer heraus ermittelt und daraus mit sehr hoher Wahrscheinlickeit die wirklich besten auch Ausgezeichnet werden. Ich war aber noch nie dabei kann dazu also nicht viel mehr sagen. Letztlich sind die Kalea Konsumententests auch nur Momentaufnahmen jedoch ohne Fachjury und „Vorgaben“ die eine Fachjury berücksichtigen muss. Von daher nehme ich persönlich alle diese Angaben, ob Auszeichnungen, Punkte in der Biertastingapp oder Untappd einfach nur als „Hinweis“, der aber noch lange nicht meinem persönlichen Geschmack entsprechen muss. Das ist aber genau der Unterschied den ich machen muss, wenn ich ein Bier als Sommelier beurteile oder als Bierliebhaber. Also kann ich bei den Auszeichnungen zumindest von einer neutralen Qualitäts-, Stil- und Geschmacksbeurteilungen ausgehen. Was aber nicht bedeutet dass Brauereien nicht stolz sein dürfen auf egal welche Auszeichnung, denn sie haben sich bei einer grossen Zahl an Juroren gegen Mitbewerber behaupten können. Dissertation Ende 🤣🍻
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Nick13 • 15 std. vor
Ja, es macht ein Bier schon interessant. Aber über die Jahre hat man dann festgestellt, dass diese Prämierung für mich persönlich oft nicht zugetroffen hatte. Es ist wie immer, alles Geschmackssache. Da wurden schon Biere überschwänglich gefeiert und ich frage mich dann: warum?
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Kosmoko • 16 std. vor
Persönlich machen mich Awards neugierig, aber das war's dann auch schon... Gibt schließlich auch prämierte Biere, die ich mir selber nicht kaufen würde, weil sie meinen Geschmack nicht treffen. Ist vermutlich ähnlich wie die Flut an Lebensmittel Labels zu sehen... Gibt ein paar, denen man mehr vertraut als anderen, obwohl man meist die genauen Kriterien für die Vergabe nicht kennt. Spannend wird es für mich dann, wenn es Brauereien konsistent schaffen, bei den renommierten Bewerben Top Platzierungen zu erreichen. Fazit: Awards sind ein 'netter' Hinweis und wenn sie generell bzw. noch mehr in dem schwierigen aktuellen Marktumfeld helfen, die Sudkessel am Laufen zu halten, soll es mir recht sein.
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spaetzuender • 18 std. vor
Ist Gold gleich Gold und hat das beste Bier seiner Kategorie Gold verdient? Kurz: Nein. In manchen Wettbewerben werden alle Biere mit Wertung 'ausgezeichnet' mit Gold geschmückt, und Silber für 'sehr gut'. Man hat den Noten eine Farbe gegeben. Anderseits, wenn die Medallien nach Rang-Reihenfolge ausgegeben werden, dann kann es passieren, dass das Beste Bier einer Kategorie Gold erhält, aber nur die Note 'passabel'. Und unabhängig von der Wertung: nur weil ein Bier Gold gewinnt, muss es nicht dem eigenen Geschmack entsprechen.
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